Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang e.V.
Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang e.V.

28.11.2018: Artikel von der Heidenheimer Zeitung

 

Klangfest: "Wir sind ein Volk"

Volle Bühne, fast volles Haus: Beim „Klangfest“ rückten die Menschen freilich nicht nur räumlich zusammen. © Foto: Rudi Penk

 
Heidenheim / Marita Kasischke 28.11.2018
 
Hoher Anspruch, scheinbar mühelos umgesetzt: Vor 600 Besuchern mit über 200 Mitwirkenden präsentierte Markus Romes in der Heidenheimer Waldorfschule sein „Klangfest“.
 

Ein friedliches Miteinander ist nicht nur möglich, sondern es kann zu beeindruckenden Ergebnissen führen – das ist einer der Gedanken, die die rund 600 Besucher am Samstagabend in der Waldorfschule mit nach Hause genommen haben dürften.

Das von Markus Romes geleitete „Klangfest“ unter dem Motto „Wir sind ein Volk“ riss das Publikum förmlich von den Stühlen und sorgte nicht nur für ein Fest der Klänge, sondern für ein Fest für die Sinne, für das Leben.

Nicht nur vor der Bühne waren eine Menge Menschen, auch auf der Bühne tummelten sich die Mitstreiter des Abends, auch daneben und im Saal verteilten sie sich, denn über 200 Mitwirkende sind selbst auf der großen Bühne nicht unterzubringen. Und: Über 200 Mitwirkende, das ist auch eine Herausforderung für jeden Projektleiter, zumal dann, wenn diese aus 26 Ländern stammen, wie hier der Fall. Markus Romes hat diese Hürde genommen, und man mag sich vorstellen, wie viel Arbeit dahintersteckte.

 

Freiheit im Mittelpunkt

Groß war auch der Anspruch in der Thematik: Um Demokratie ging es mit all ihren Errungenschaften wie Meinungsfreiheit, Recht auf freie Entfaltung, die unantastbare Würde, es ging um interkulturelles, ja interreligiöses Zusammenwirken, nicht zuletzt ging es um die Freiheit gerade im Miteinander.

Das wurde umgesetzt in Liedern, Tänzen, szenischer Darstellung und in eindringlichen Texten zwischendrin – eine Menge also war geboten an diesem Abend, der aus diesen fein abgestimmten Einzelteilen zu einem großen Ganzen wurde, dessen Faszination über zwei Stunden lang trug und das in dieser Zusammensetzung durchaus einzigartig genannt werden darf.

 

Lieder aus aller Welt

Die Lieder aus Litauen, Griechenland, Bosnien, Syrien, Israel, Indien, Afrika, Peru, Argentinien und vielen mehr – allein die Zusammenstellung der Chorvorträge für diesen Abend dürfte ein großes Unterfangen gewesen sein – waren weitgehend unbekannt, und der Chorvortrag in seiner Strahlkraft und Präzision und seiner Klangfülle machte das Hinhören zum Erlebnis, er berührte und bewegte in seinen ergreifenden Weisen, und er sorgte auch für Fröhlichkeit da, wo die Heiterkeit in den Liedern vorherrscht.

 

Selten gehörte Instrumente

Unterstützt wurde der Chor, zu dem auch die Schüler der Waldorfschule gehörten und der damit auch zum generationenübergreifenden Projekt wurde, von einem Kammerorchester, das in seiner Besetzung so auch nicht häufig zu erleben sein wird: Zu den hierzulande geläufigen Instrumenten gesellten sich die griechische Bouzouki, die türkische Saz, das russische Bajan, die chinesische Erhu, und das sorgte für Klangerlebnisse der besonderen Art.

Gekonnt vorgetragen und mal szenisch untermalt, mal tänzerisch, gerieten auch die eindringlichen Texte, die zuweilen wie zufällig gestreute Schnipsel auftauchten, zum Erlebnis mit besonderer Wirkung. Romes schaffte es sogar, der Stille einen besonderen Klang zu verleihen, der Stille, die nicht nur als prägendes Moment, sondern auch als Verbindung zwischen den Elementen wirkte und dem Zuhörer Raum gab, das Erlebte nachzuspüren und zu entfalten.

 

Leidenschaft und Herzblut

Das „Klangfest“ trug also seinen Namen völlig zu Recht, und es war auch dann ein großes Fest, wenn die große politische und humanistische Botschaft außer Acht gelassen wurde. Der künstlerische Anspruch war enorm, das Können beeindruckte und so, wie alle Mitwirkenden mit Leidenschaft und Herzblut zu Werke gingen, übertrug sich dies auf das Publikum, das von Anfang an bis zum Ende mit großer Begeisterung genoss.

Und es ist gut möglich, dass nicht nur die berührenden Weisen in Herzen und Köpfen der Zuhörer blieben, sondern auch der Gedanke an dieses friedliche Miteinander, das solch ein Fest möglich gemacht hatte. Das allein bedeutete schon, Großes bewegt zu haben. Und schließlich kann sich dieser Gedanke ja auch entfalten und durch den Alltag tragen.

26.10.2018: Der freie Internetjournalist Daniel Baz schrieb: Wir alle sind das Volk

 

Wir alle sind das Volk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Ideengeber und Dirgent Markus Romes und sein vom Publikum gefeierter Interkultureller Chor

 

 

Ein Fanal für Freiheit und Demokratie

Der Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang e.V in Ulm hat nach langen Proben ein neues Kind geboren. „Wir alle sind das Volk Interkultur für Demokratie“ heißt es undspannt mit 19 Episoden, die jeweils einem Land gewidmet sind den Rahmen des „Wir-Alle-Volks.“Die Produktion mit 140 begeisternden Mitwirkenden, so meint auch der Ideengeber, bietet sich an, für größere Tourneen. Ihr Konzept ist stimmig, aus dem letzten Groß-Projekt „Leben und leben lassen“ hervorgewachsen und seine auf zwei Seiten im Programmheft ausgefaltete Idee ist attraktiv, weil notwendig. Den Fragen wo steht dieses Land? Woraus schöpft es seine Kraft? Und Wohin wird es gehen künstlerisch nachzugehen um final in dem Angebot eines Liedes für dieses Land eine Antwort zu wagen.Unter der Leitung von Markus Romes laufen Sänger aus sechs Ulmer Chören zur Bühne um zum riesigen Interkulturchor anzuschwellen.Demokratie brauche gegenwärtig wie selten zuvor unser Engagement, so Romes, deshalb unterstützen auch prominente Politiker von Ulms Bürgermeister Gunter Czisch bis zur SPD Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis das interkulturelle Spektakel. Mattheis hat wie viele andere auch die Freude der Premiere, im voll besetzten Congresszentrum beiwohnen zu dürfen.Eine Linie vor dem Dirigenten Romes bilden die Musiker.Auch ihre Instrumente sind ein Ausdruck verschiedener Kulturen. Die türkische Saz, die aus Peru stammende Cajon, die afrikanische Djembe, die griechische Bousouki und wie eine eigene Farbe im Klangspektrum die chinesische Erhu. Romes, ebenso in weiß, erzählt zu Beginn von seinem Streifzug durch die Wendetage im Berlin von 1989, damals studierte er in der Hauptstadt Musik.Während das weiße Band des Chores sich um das Publikum spannt erzählt der Schauspieler Gunter Nickles von einer 600 Kilometer langen Menschenkette die sich am 23.08.1989 durch Lettland, Litauen und Estland zog, ein Band der Verbundenheit. Aus 2 Millionen Menschen gewoben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Solist Yueling Li mit seiner Erhu vermochte es auf seinem Instrument das Bewusstsein über China zu weiten

 

Roter Freiheitsbote aus China?

Ein Lebensband ebenso die Düna, der Fluss, der die baltischen Staaten landschaftlich verbindet.Die drei kleinen Länder waren 1944 von sowjetischen Truppe gewaltsam eingenommen worden. Der weiße Ring der Selbstbestimmung sollte auch bis Juni 1991 angegriffen werden, obwohl Litauen 1990 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, fuhren sowjetische Panzer in der Vilniusser Blutnacht über 14 Menschen und töteten sie. Ähnliche Bilder vom Platz des Himmlischen Friedens in Peking konnte man vom chinesischen Beitrag erwarten. Hingegen leuchtete jetzt, wie ein magischer Freiheitsbote, ein roter Punkt über dem weißen Chor und ein inspirierter Yueling Li aus China zog seien Bogen wie ein Götterbote über die Erhu. Die Erhu ist eine zweiseitige Röhrenspießlaute, die seit 1000 Jahren in China gespielt wird. Wie zwei Gesichter Chinas, einmal leise, verhalten und respektvoll, und einmal gewaltig, selbstbewusst und einer größeren Sache dienend waren diese beiden Bogenzüge. Weckrufe verschiedener und doch in einer Kultur vereinter Qualitäten.Interkultur des Eigenen. Die öffnenden Gesten weckten ein ganzes Kabinett verschiedener Tonalitäten. Die Queerflöte mit ihrem freien Flug, die Violine mit ihrem dramatischen Gezogen-Sein und den starken „Körper“ der Posaune. Ein wahrer Frühling der Demokratie, wo ein Volk unsin Winterstarre erscheinend, plötzlich einen musikalischen Intervolkskongress anleiert.Leider ist so ein spontane Session, die auf Selbstbestimmung, Freiheit und Demokratie fußt in immer weniger Ländern der Erde möglich. Um so kraftvoller der Beweis, das Demokratie das individuelle Leben bereichert und, wie Roms schreibt, das Bewusstsein stets erweitert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Interkulturelle Chor, vermochte es Verwandlungsfähigkeit und Einigkeit in manigfaltigen Formen zu verkörpern

 

Volksmusik als Träger der Freiheitssamen

Beide Deutschlands sind unter den 19 Stücken vertreten. Adrian Werum, der „Die Gedanken sind frei“ für den Chor umgeschrieben hat, durfte erfahren, dass die Wurzeln des Liedes viel weiter in die Geschichte zurückreichen als das Veröffentlichungsjahr 1780. Damit kommt uns Freiheitsliebenden auch etwas aus der Vergangenheit entgegen, wenn wir Widerstand leisten gegen unmenschliche Verhältnisse. Eine noch feinere Saite wurde in einer einfühlsamen Choreographie mit dem Lied „Sind so kleine Hände“ aus der DDR angeschlagen. Ein wunderbar auf Sanftmut und Einfühlungsvermögen stimmendes Bild eröffnete sich. Die Erwachsenen beugten den Rücken der Kleinen und sangen Bettina Wegners: „Ist so ein kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht, darf man nicht beugen, weil es sonst zerbricht.“ Wie klare und gerade Menschen, die sich die Sängerin aus Ostdeutschland wünschte singen, sah man an der Arbeit und deren Früchte verbindenden afrikanischen Ode an die Freude namens „Elah.“ Bei der Interkultur der Griechen spürt man die Leichtigkeit die direkt aus der Sonne kommt. Der Autor des Liedes „Du Sonne der Gerechtigkeit“,Mikis Theodorakis, die Seele des Griechischen Widerstands, ist, gerade 93 geworden. Ein Krieger, der zeigt von was man beseelt sein muss um trotz der Erfahrung politischer Gewalt die Sonne im Herzen unter den Menschen zu verströmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Yueliang Li hatte es geschafft eine Einheit in der Musik zu erwecken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch bei den Solisten gab einen Dreiklang

 

Formengemisch: Interreligiöser Dreiklang

Mit einem weiteren griechischen Sonnengruß entließ der Interkulturelle Chor die glücklich drein schauenden Leute in die Pause. Als sich die Zuschauer wieder im Zuschauerraum versammelt hatte, fühlte man sich durch die Interbeziehungen und das gemeinsame Objekt des „WirAlleVolkes“ verbunden. Der zweite Teil begann mit einer wichtigen Einschätzung Romes „Religionen werfen tiefe Gräben auf…“ „…und dennoch haben sie auf der anderen Seite heilende Kräfte, schaffen Brücken und verfolgen gemeinsame Ziele…“. Deshalb setzte er auch hier auf die Wandelbarkeit von Identitäten und auf Mischformen.Der Interreligiöse Dreiklang: Ein besinnlich, mystisches Anfangsbild der zweiten Hälfte lieferte die einfache und kraftvolle Choreographie zu der Ra Ma Da Sa Sa Se Sohong-Meditation. Die Meditation gehört zu den Schätzen aus dem Fundus der Übungsgemeinschaft der Sikhs, die sowohl Einflüsse des Islam als auch des tausendundeinfaltigen Hinduismus in sich vereinen. Ra bedeutet Sonne und Ma Mond und so verbindet jede einzelne Silbe der Meditation einen existentiellen Aspekt des Kosmos. Endend mit dem für so manche Religionsform anmaßend erscheinenden Sohong, was bedeutet Gott und Ich sind eins. Der Dirigent selbst schöpft Kraft und Inspiration aus der dem Sikhismus nahestehenden Übungsform der weiß gewandeten Kundalini-Jogis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die kongeniale Sängerin Debora Vilchez aus Peru, die das peruanische Instrument Cajon spielte

 

 

Das Mischgefäß peruanischer Poesie

Der zweite Teil des Interreligiösen Dreiklanges widmete sich so Romes „fortgeschrittenen Muslimen“, nämlich den bosnischen Derwischen. Dazu verstärkte der bosnisch-muslimische Jugendchor die Sängerschaft. Die melodieführende Querflöte erhöhte die Seele und die treibende Trommel führte Körper und Seele im Mysterium des Herzens zusammen. „Demokratie“ so das Programmheft, lebt vom „Teilen und Mitteilen, vom „Verstehen und Auseinandersetzen“ der Weg der Derwische ist eine Möglichkeit, sich komplexen Themen auf ganz eigene, tiefe Weise anzunähern“, heißt es im äußerst lesenswerten Programmheft.Den Schlusston des Interreligiösen Dreiklanges machte ein Beitrag aus Israel, mit der Überschrift „El Haderech, auf dem Weg“, Israel als im Glauben tiefst verwurzeltes Land, in seiner temperamentvollen, schmerzenssatten Musik eine Feuersäule, der Überzeugtheit „das Ziel“ zu erreichen. Die bisher tiefste Poesie atmete aber der Text „Schöne Gestalt“ aus dem Lied von „Fina Estampa“, der Repräsentant von Peru, dessen Übersetzung Nickles vorher verlas. Dieser Pfad eines stolzen Reiters kündet von seidener Sanftmut und Demut. Der Pfad leuchtet unter dem Fuß des edlen Rosses und errötet ob der Eindrücke in rot, ob von Geranien,ob von den Wangen erröteter Mädchen.Die Sängerin Debora Vilchez fühlte sich in das Lied auf kongeniale Weise ein und ein Stück Bewusstseinserweiterung verhauchte zart im gereinigten Äther.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Solist aus Syrien: Mohammed Alouf

 

 

Wir werden frei sein ob wir leben oder sterben

Harter Schnitt.Wir befinden uns in Amerika, Mona Schmid und Leolo Vukic singen „What a wonderful world“das man von Louis Armstrong kennt. Neu ist vielen bestimmt, das es für die US-Bürgerrechtsbewegung geschrieben wurde und in dem Film „Good Morning Vietnam“ in den 80er Jahren von neuem Menschen bewegte. Leolo´s Mutter, der mit viel Überschuss und Ausdruck sang, war selbst Sängerin in New York und Mona ließ ihre wunderbare Stimme in größer Präsenz erstrahlen. Das Stück Südafrikas macht auf tödliche Naturkatastrophen aufmerksam, das Heimatloswerden vieler und die Zusammenhänge mit unserer Wirtschafts- und Lebensform und nimmt in der Zukunft eine magische Wende. Margarete Lamprecht wird zum Ende des Stückes „Heimatlos“ erfolglos wiederbelegt. In dem Vorgängerstück spielten noch Kinder mit dem Erdball, wem er denn gehöre? Die Antwort: „Uns Allen“.Jetzt strecken sich alle Hände des gut koordinierten Chores Richtung eines überdimensionalen gelben Balles auf dem Fake steht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erlösende Wiederkehr aus Argentinien Margarete Lamprecht singt Rinascero

 

 

 

Argentinien: Die Freiheit hat den längeren Atem

Plötzlich Platz der Ball und aus ihrer Filterblase geschleudert, bricht sich die vormals mediale Menschenfeindlichkeit in offenen Kämpfen Bahn.Der Same der Freiheit in der schönen und blutsvollen, viel zu früh verstorbenen Frau, sprengt nun die Ketten des körperlichen Todes. Nicoles spricht den surreal, kraftvoll Denkrahmen sprengenden Text. Im Jahr 3001 will sie wiederkehren,eine mächtige Stimme wird ihr Kraft geben, mit einer Rose im Knopfloch, wiedergeboren aus all den Dingen,aus den Früchten des kleinen Marktes, die sie lieb hatte, aus dem zerstörten Dorf heraus, aus der Wut der Leute des Südens.“ Und dann kommt sie das Lied „Rinascero“ furios hinausspeiend in bandoneonischer sich weltwärts entspannender Ausgerichtetheit. Hinein sich sehnend in all die die geliebten Dinge die sie lassen musste kulminierend in der Wut der Leute des Südens. Einen längeren Atem beweisend,als die Foltern und Räder des Autoritarismus, mit neuen Leuten alles wieder aufbauend im Jahre 3001. Im letzten Projekt des Vereines war, aus aktuellem Anlass, ein Schwerpunkt auf arabischer Kunst und Kultur gelegen. Nun zeigte der schöne langhaarige Mohammad Alouf mit einem Lied der arabischen Sänger-Ikone Fairuz, das Freiheit nicht mit äußeren Mechanismen zu ersticken ist. Vor dem Lied bekannte er ins Mikrofon: „Wir werden frei sein, ob wir leben oder ob wir sterben.“ Die arabische Vibration machte entgegen der Religion des einen Gottes, einen unglaublich vielfältigen, auf den Tanz gemünzten und unzähmbaren Eindruck, den der tiefe, wilde und reine Ausdruck des Sängers perfekt unterstrich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

V. l:Der Texter von “Ein Lied für dieses Land” Chris Werneke, Deutschland und Markus Romes: Ideengeber und Dirigent des Interkulturellen Chores

 

 

Weltpremiere: Ein Lied für dieses Land

Wie Deutschland, als fortgeschrittene liberale Gesellschaft die humanitäre Pflicht die vor dem Unheil eines Stellvertreterkrieges des Westmächte flüchtenden Menschenmassen aufzunehmen auf sich genommen hat und nun am Rande einer konservativen Revolution steht. So hat Chris Wernicke, der mutig als Mann im Damenkleid im Chor agierte, die Aufgabe angenommen, einem seit der Verfassung der Deutschen Nationalhymne(1841) verändert erscheinenden Land ein neues Lied anzubieten. Adrian Werum komponierte die monumentale Musik. Jenseits von nationaler Identitätskonstruktion und Republik des Eigentums, heißt es in dem final mit voller Seele gesungenen Chor: „Meine Hand soll dir gehören, Meine Tat dich weiterführ´n. Für die Freiheit sollst du steh´n. Allen offen die dich lieben.“ Solisten und Kinder singen Strophen im Wechselgesang mit den Erwachsenen des Chores.Wieder ein Dreiklang. Es herrscht eine weihevolle erhebende Stimmung. Zukunft und Vergangenheit sind sich in Müttern und Kindern nah, bauen aufeinander. Im Wissen das Deutschland seine Freiheit einst aus den Händen gab, wird sie nun auf den Schwingen der Musik als Verpflichtung und Licht in alle Länder getragen, das bleibt zumindest zu hoffen. Und so schließt sich der Reigen mit der 19.Episode in einem tosenden,minutenlangen, stehenden Applaus. Man kann es noch nicht begreifen, aber man weiß, das dieses singende tanzende Feuerzeichen um die Welt gehen muss. Wir ALLE EIN interkulturelles Volk.Romes verrät alle 140 Mitwirkenden wollen weiter machen. Eine Deutschland- und eine sind Europatournee ist in Planung.

 

 

23.10.2018: Artikel von der Neu-Ulmer Zeitung

 

Ein Chor, eine Welt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Menschen unterschiedlicher Altersstufen und Nationalitäten sangen im CCU zusammen.
Bild: Stefan Kümmritz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen besonders beeindruckenden Auftritt als Solistin legte die Schauspielerin Margarete Lamprecht hin. Bild: Stefan Kümmritz

 

 

Das Konzert „Wir alle sind das Volk“ im Congress Centrum ist ein Statement gegen Hass, Gewalt und Intoleranz. Doch wichtiger noch als die Politik ist an diesem Abend die Musik.

 
Von Stefan Kümmritz

 

Dass es in der Region viele junge und ältere Menschen gibt, die sich für Chormusik begeistern, konnte man im Ulmer Congress Centrum (CCU) erleben. Im proppevollen Saal kam das Publikum, beim zweieinhalbstündigen Konzert „Wir alle sind das Volk“, das vom Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang veranstaltet wurde, voll auf seine Kosten. Sänger und Sängerinnen aus mehreren Chören agierten unter der Leitung von Markus Romes als ein großes Ensemble. Unterstützt wurden sie von einigen Musikern und diversen ausgezeichneten Solisten, die dem Abend, der unter dem Motto stand „Interkultur für Demokratie“, noch das Sahnehäubchen aufsetzten.

 

Es ist sich nicht einfach, Sänger und Sängerinnen unterschiedlicher Altersstufen und Nationalitäten zusammen zu bringen, doch es ist gelungen. Die Mitglieder des neu entstandenen Ensembles, das die Bühne komplett bevölkerte, kamen aus folgenden Chören: Internationaler Kinderchor Ulm/Neu-Ulm, Jugend- und Hochschulchor Ulm/Neu-Ulm, Bosnisch-muslimischer Jugendchor Ulm, Projektchor der Ulmer Waldorfschule am Illerblick, Kammerchor D’accord Ulm und Kinderchor der Meinloh-Grundschule Ulm.

 

Menschen unterschiedlicher Nationen demonstrieren Einigkeit

 

Dazu Musiker, die unter anderem Kontrabass, Cello, Tuba, Saxofon und Gitarre spielten, und als Dirigent Markus Romes. Sie alle absolvierten ein umfangreiches Programm und immer wieder ging es in den Liedern um politische Veränderungen, Freiheitsverlust, Denunziation, Gewalt, Gräben, die durch Religionen aufgeworfen werden, Rassismus, Protest gegen Kriege, Diktatur, aber auch um Träume, Aufbegehren und Lebensfreude. An dem Abend wurde mit den Liedern, mit Gebärden und Gesten, aber auch mit teilweise etwas verstörenden und aufrüttelnden Aktionen wie gespielten Raufereien gearbeitet. Es ging um Gewalt, die den Alltag in vielen Gegenden der Welt unerträglich macht, und um den Mangel an Demokratie, der in vielen Ländern herrscht. Mit Weltmusik, Theater und Tanz wollten Menschen unterschiedlicher Nationen, verschiedener Religionen und Hautfarben demonstrieren, dass vor allem Völkerverständigung, Gewaltverzicht, Toleranz und eben Demokratie Garanten für ein friedliches Nebeneinander sind. Gerade in einem Chor vereinen sich die unterschiedlichen Charaktere, bilden eine Einheit, verschmelzen beim Singen ihrer Lieder.

 

18 Programmpunkte gab es im CCU und eine Zugabe. „Die Dämmerung des Frühlings“ aus China verzauberte das Publikum, „Sind so kleine Hände“ war zumindest den älteren Zuhörern wohl durch die Bank gut bekannt. Es ist nicht nur ein schöner Song, sondern es war als Akt gegen das Regime in der DDR auch ein politischer. Eine kleine Hymne ans Dasein vermittelte das Chorensemble im afrikanischen Lied „Elah“, während griechische Lieder von Mikis Theodorakis („Du Sonne der Gerechtigkeit“) und Manos Loizos („Guten Morgen, Sonne“) politische Missstände anprangern und gleichzeitig die Schönheit deren Landes priesen, das nicht kaputt gehen darf. Vor allem das schmissige Lied von Loizos riss kurz vor der Pause das Publikum fast von den Sitzen.

 

Im zweiten Teil des Abends wurden die Gäste zunächst mit „What A Wonderful World“ verwöhnt, um dann mit etwas Beklemmung gespielte Wiederbelebungsversuche auf der Bühne zu erleben und dann mit dem südafrikanischen Lied „Homeless“ („Heimatlos“) konfrontiert zu werden. Ein riesengroßer Luftballon flog über das Ensemble, unter anderem mit der Aufschrift „Fake“ und platzte dann urplötzlich – und alle sind beglückt.

 

Ein Höhepunkt des Konzerts war der musikalische Auftritt der Schauspielerin Margarete Lamprecht. Sie trug das argentinische Lied „Rinascero“ („Ich werde wiedergeboren werden“) derart dramatisch vor, dass das Publikum völlig hingerissen war. Am Ende stand „Ein Lied für dieses Land“, zu dem Markus Romes die Idee hatte und in dem es um die Nationalhymne geht, beziehungsweise die Überlegung, eine neue zu schaffen. Aber auch die nicht erwähnten Lieder zuvor faszinierten die Gäste.

Mit anhaltenden Applaus und Standing Ovations wurden die Sänger und Musiker in den Abend entlassen.

23.10.2018: Artikel von der Südwestpresse

 

Markus Romes: Alle Stimmen für die Demokratie

Interkulturelle Performance: Markus Romes dirigiert Sänger und Musiker im CCU. © Foto: Martina Dach

 

 

Ulm / Von Burkhard Schäfer 23.10.2018
 

Wir alle sind das Volk! – Chöre, Weltmusik, Theater, Tanz – Interkultur für Demokratie!“ Ein noch engagierteres Motto hätte der künstlerische Leiter Markus Romes sich für sein Projekt kaum aussuchen können.

 

Berühmt wurde der Ausruf „Wir sind das Volk!“ durch die Montagsdemonstrationen in der DDR, die schließlich die Wende und damit die Demokratie herbeiführten. Seitdem sich auch rechtspopulistische Gruppierungen die vier Wörter auf ihre Fahnen geschrieben haben, ist die Formulierung korrumpiert. Und so ergänzte Romes sie kurzerhand für seine neuestes Projekt um das kleine Wörtchen „alle“ und gab ihr, wie sich zeigen sollte, dann den passenden interkulturellen „Drive“.

 

Gesungene Revolution

 

„Die Demokratie ist immer in Gefahr“, sagte Romes zu Beginn des Konzerts im Congress Centrum. „Glauben wir an sie, kann sie Berge versetzen. Wir müssen deshalb wieder an die Sehnsucht nach Freiheit anknüpfen.“

 

Wie zum Beweis für diese Worte fing der Abend mit einer Menschenkette an, gebildet von 126 Mitwirkenden aus 26 Ländern, die Hand in Hand und „Meine Heimat“ singend auf die Bühne kamen und damit an die Abertausende von Balten erinnerte, die sich 1989 auf eine ähnliche Weise zusammengeschlossen hatten. Diese „Singende Revolution“ bescherte ihnen damals schließlich die Unabhängigkeit von der Sowjetunion.

 

Ausgehend von Lettland, der ersten Station, setzte sich die musikalische Demokratie-Bewegung, die Romes und seine vielen Mitstreiter – unter anderem der Internationale Kinderchor und der Jugend- und Hochschulchor Ulm/Neu-Ulm sowie der Bosnisch-muslimische Jugendchor Ulm, der Projektchor der Waldorfschule am Illerblick, der Kammerchor D’accord Ulm, der Kinderchor der Meinloh-Grundschule Ulm und die Tanzgruppe „Mainades“ aus Ulm – auf die Beine gestellt hatten, fort.

 

Zunächst in China: „Die Dämmerung des Frühlings“ erklang, zu der Yueliang Li die Erhu spielte, dann Deutschland („Die Gedanken sind frei“) und die ehemalige DDR („Sind so kleine Hände“), Afrika („Elah“) und schließlich Griechenland („Du Sonne der Gerechtigkeit“ und „Guten Morgen, Sonne“), toll vom Schauspieler Gunther Nickles im landestypischen Gewand mitinszeniert. Jubel und Bravo-Rufe gab es da schon zur Pause.

 

Noch mehr interkulturelle Performance folgte in der zweiten Hälfte, eingeleitet von einem „interreligiösen Dreiklang“ und der indischen Meditation „Ra Ma Da Sa Sa Se Sohong“. Ein riesiger gelber Luftballon mit der Aufschrift „Fake“ erschien auf der Bühne – und zerplatzte symbolisch mit lautem Knall.

 

Bosnien, Israel und Peru wurden ebenso besucht wie die USA, Südafrika („Homeless“) und, im Takt von Astor Piazzollas Musik, Argentinien. Besonders begeisternd: das syrische Lied „Oh Freiheit“, gesungen von Mohammed Alouf.

 

Zum guten Schluss von „Wir alle sind das Volk!“ erklang die Hymne „Ein Lied für dieses Land“ zum Mitsingen für alle nach einer Idee von Markus Romes und der Musik von Adrian Werum (Text: Chris Werneke). Jubel, Bravo-Rufe, Standing Ovations – selten haben Interkultur und Demokratie eine schönere Stimme bekommen als am Sonntag.

 

Erneutes Konzert im Januar

Das Projekt „Wir alle sind ein Volk“ wird wegen guter Resonanz am 19. Januar in Ulm wiederaufgeführt. Der Ort wird vom Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang noch bekanntgegeben.

17.10.2018: Artikel von der Südwestpresse

 

Interkulturelles Großprojekt: "Wir alle sind das Volk"

Ulm / Magdi Aboul-Kheir 17.10.2018
 

„Wie geil ist das denn?“, ging Markus Romes durch den Kopf, als er erlebte, wie ein Publikum „vom Rocker bis zur Kopftuchträgerin“ seine Produktion „Leben und leben lassen“ bejubelte. In den vergangenen beiden Jahren hatte sein interkultureller Abend mehrfach für ausverkaufte Häuser gesorgt, und so wollte er die Idee weiterspinnen. Am Sonntag feiert nun im CCU das neueste Groß-Projekt des Ulmer Vereins zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang Premiere: „Wir alle sind das Volk“.

 

Romes hat eine „Sehnsucht von unterschiedlichsten Künstlern ausgemacht, gemeinsam ein Kulturprojekt auf die Bühne zu bringen und richtig tolle Stücke zu singen“. Wobei es nicht nur Chorgesang und Weltmusik gibt, sondern auch Theater, Tanz und Wortbeiträge. 120 Mitwirkende aus Baden-Württemberg sind dabei – mit Wurzeln in 26 verschiedenen Ländern.

 

Auch eine Uraufführung gibt es: „Ein Lied für dieses Land“, vom interkulturellen Orchester gespielt und vom interkulturellen Chor gesungen. Das von Adrian Werum komponierte und von Chris Werneke nach einer Idee Romes’ getextete Lied wurde von den Diskussionen über die Nationalhymne angeregt: Wo steht denn dieses Land? Woher bezieht es seine Kraft? Welche Werte gelten? Wohin wird das Land gehen?

 

Die Künstler treten mit dem vielfältigen Programm als „Demokratiebotschafter“ auf, sagt Romes. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz habe er zwar Zweifel am Titel „Wir alle sind das Volk“ bekommen, aber jetzt betont er ihn umso mehr: „Denn wir alle sind ein Volk auf der Erde.“

 

Trotz des gesellschaftspolitischen Aspekts ist Romes wichtig, dass es sich um ein hochwertiges Kulturprojekt handelt. Der Bogen der Werke reicht von „Sind so kleine Hände“ bis zu Liedern der „singenden Revolution“ im Baltikum, von aufrüttelnden Kompositionen Mikis Theodorakis’ über einen „interreligiösen Dreiklang“ aus Indien, Bosnien und Israel bis zu „Wonderful World“.

 

Für weitere Aufführungen von „Wir alle sind das Volk“ bundes- und europaweit (bislang stehen Termine in Ulm, Heidenheim und Aalen fest) werden noch Sponsoren gesucht. Ansprechpartner ist Projektleiter Markus Romes: info@ulminterkulturell.de

 

Info „Wir alle sind das Volk!“ feiert am Sonntag, 19 Uhr, im CCU Premiere.

22.11.2018, Artikel von der Website der Waldorfschule Heidenheim:

Ulm, Südwestpresse vom 4.7.2016

Sehnsucht nach Freiheit und Leben

120 Mitwirkende aus 36 Ländern begeistern in Markus Romes’ Multikulti-Projekt „Leben und leben lassen“ mit Musik, Tanz, Poesie und Rezitation.

CHRISTA KANAND |

 

Standing Ovations, orkanartiger Schlussbeifall wie bei einem Pop-Konzert. Oder wie nach dem gewonnenen Fußball-Viertelfinale. Multikulti, vor allem aus Nahost, im Publikum und bei den Akteuren, war in der ausverkauften Martin-Luther-Kirche zu erleben – nicht alle fanden Einlass. Um „Zusammenrücken“ bat dann Markus Romes, der künstlerischer Leiter, Dirigent und Pianist, anfangs die wohl 1000 Zuhörer. Dies galt im übertragenen Sinn auch für sein neues Musikprojekt „Leben und leben lassen“, das unter der Schirmherrschaft  von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann steht.

„1,2,3, wer hat den Ball? Wem gehört die Erde?“, lässt der Kinderchor einen Ball kurven bis zum Fazit: „Für alle ist die Erde.“ Ein schöner Auftakt für das 130-Minuten-Konzert (Regie: Anke Bußmann) zu Gunsten der Aktion 100 000. Solistisch oder in Ensembles laden unterschiedliche Gesänge, Sprachen, Poesie (mit Übersetzern), Musikstile und exotische Instrumente  ein, den Religionen und Kulturkreisen näher zu kommen.

Integrationsprobleme? Mehr als 120 große und kleine Künstler, Amateure und Profis  aus 36 Ländern, alle ganz in Weiß gekleidet, bringen sich mit Herzblut, Euphorie und Können ein. Die Sehnsucht nach Freiheit, Frieden und Leben eint alle. Für Gänsehaut sorgt gewiss bei den arabischen Besuchern die Heimatliebe einer syrischen Poesie. Aber auch das stimmschöne Großaufgebot aus acht jungen Chören  in Michael Jacksons „We Are The World“, in dem sinnbildlich um einen Platz in der Welt gerangelt wird. Zwischendurch heizen fetziger  Rap und Tanz in den Gängen ein. In der Projekt-Band  improvisiert der ukrainische Violinist neben der georgischen Cellistin und dem russischen Akkordeonspieler. Gegenüber trommelt Debora Vilchez aus Peru. Kontrabass, Gitarre und Klavier sind in deutscher Hand. Kyr?at-Çelik spielt die türkische  Ba?lama-Laute und der Tunesier Amine Othmane die Oud-Kurzhalslaute.  Yueling Li streicht mit dem Bogen die zweisaitige chinesische Erhu, während der verträumt summende Chor „Die Straße, wo der Wind wohnt“ untermalt: berührende Melancholie.

Musik verbindet und zeigt in zwei Dutzend Beiträgen,  wie bereichernd und kreativ ein globales Miteinander sein kann. Da  zieht der isländische Opernsänger Thorsten Sigurdsson mit „Fremd bin ich eingezogen“ aus Schuberts „Winterreise“ ebenso in den Bann wie der pakistanische Koran-Rezitator Ali Mahmoud mit Suren oder Morteza Ahmadi aus Afghanistan im Liebeslied „Leila“. Margarete Lamprecht entführt singend in jüdische Gefilde, auch Disseuse Chris Maihoefer. Und im Finale reißen ein syrisches Männer-Quartett und das Chor-Kollektiv in „Lama Bdomik“ alle mitklatschend vom Hocker.

Dieses zumindest im Ulmer Raum in seiner Art einzigartige Konzertprojekt wird nachhallen, ist zugleich eine Gedenkveranstaltung für die „Weiße Rose“. Deren Mitglieder versteckten damals Flugblätter in der Orgel der Luther-Kirche, die Albrecht Krokenberger in William Faulkes’ Festival-Prelude „Ein feste Burg ist unser Gott“ mauerbebend aufrauschen ließ.

Info Das Konzert erklingt am Samstag, 19 Uhr, in der Martin-Luther-Kirche noch einmal. Eintritt frei.

Sehnsucht nach Frieden und Freundschaft

„Leben und leben lassen“ lebt Verständigung vor und erntet dafür frenetischen Applaus Von Florian L. Arnold


 
  •  Ein großes Aufgebot an Sängern und Instrumentalisten bot das Crossover-Projekt „Leben und Leben lassen“ in der Lutherkirche in Ulm.
    Foto: F. L. Arnold

Mehr als 120 große und kleine Künstler, Amateure und Profis aus 36 Ländern, mehr als 130 Minuten (pausenloses) Konzert-Erleben – mit „Leben und leben lassen“ hatte sich Dirigent Markus Romes wieder einmal ein großes Projekt vorgenommen. In der gesteckt vollen Martin-Luther-Kirche in Ulm wurde man Zeuge eines Crossover-Projekts, das trotz mancher Längen wirklich zu Herzen ging und auch musikalisch mehr als einmal vom Hocker riss. Denn die zunächst wild anmutende Mischung aus Gesängen unterschiedlicher Kulturkreise, Rezitation, Poesie, improvisierter Musik, exotischer Instrumente und Klängen aus (fast) allen Religionen und Kulturkreisen fand sich zu einem erstaunlich schlüssigen, unterhaltsamen und erhellenden Musik-erlebenis zusammen. Multikulti, der etwas abgewetzte und nicht mehr ganz so positiv besetzte Begriff, ist hier im ganz positiven Sinne zu verstehen als Brückenschlag.

Wie Dirigent und Pianist Markus Romes zu Beginn mit einem lachenden und einem weinenden Auge erklärte: „Würden die Politiker dieser Welt vor wichtigen Verhandlungen gemeinsam singen, würden die Ergebnisse ihrer Sitzungen wohl entschieden besser ausfallen“. Mit Herzblut, Können und einer großen Portion Euphorie formulierten die Teilnehmer des Konzertabends die Sehnsucht nach Freiheit und Frieden. Und nicht immer war zu vermeiden, dass man die Beschwörungen eines friedfertigen und freundlichen Miteinanders eher für einen frommen Wunsch hielt.

Unmöglich, alle Highlights zu benennen – aber lang im Gedächtnis bleiben sollte Maria Rosendorfskys Auftritt in Paul McCartneys sinnvoll und klangschön für Solistin und Chor arrangiertem Song „She’s leaving home“.

Wem das keine Gänsehaut verursachte, der dürfte spätestens bei der „Straße, wo der Wind wohnt“ fällig für wohliges Mitschauern gewesen sein. Die Projektband mit dem ukrainischen Violinisten Oleksandr Klimas, der Cellistin Brigitte Kohler, Yueling Li an der zweisaitigen chinesischen Erhu (einer Art Laute) wurde vom verträumt summenden Chor begleitet und entfaltete eine anrührende, schwerelose Melodie.

Weltumspannend auch die übrigen der rund zwei Dutzend Beiträge: Der isländische Tenor Thorsten Sigurdsson brachte aus Schuberts Winterreise das Lied „Fremd bin ich eingezogen“ mit und gestaltete später mit dem Chor das kantig-ansteckende isländische Volkslied „Á Sprengisandí“. Man hörte den pakistanischen Koran-Rezitator Ali Mahmoud mit Suren und den jungen Morteza Ahmadi aus Afghanistan mit dem modernen Liebeslied „Leila“. Ein rundum gelungenes, wenn auch viel Sitzfleisch verlangendes Erlebnis. In der nächsten Spielzeit, am 6.Mai 2017 gibt es ein Wiedersehen und -erleben dieses Abends im Ulmer Theater.

nEU-uLMER zEITUNG VOM 22.10.2015

 

 

 

Gesang überwindet Grenzen

Zwei neue Chöre sollen Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichem Hintergrund musikalisch zusammenbringen. Durch die Förderung einer Stiftung ist die Teilnahme kostenlos 

Gemeinsam singen, gemeinsam Spaß haben: Chorleiter Markus Romes (Zweiter von rechts) probt mit dem Internationalen Jugendchor Ulm/Neu-Ulm.    Foto: Andreas Brücken

 

 

Musik, Tanz, Spiel und Gesang können Menschen aus verschiedenen Kulturen einander näher bringen – die Idee steht hinter dem 2014 gegründeten „Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang“. Dieser hat kürzlich zwei neue Projekte gestartet: den Internationalen Kinderchor Ulm/Neu-Ulm und den Internationalen Jugendchor Ulm/Neu-Ulm. Beide werden betreut von dem Musikpädagogen Markus Romes, den man in der Region unter anderem als Leiter des Kreischores des Iller-Roth-Günz-Sängerkreises und des Konzertchors Klangreich kennt.

Während der Kinderchor sich an Buben und Mädchen ab der dritten Klasse richtet, soll der Jugendchor junge Leute zwischen 14 und 24 Jahren für das Singen begeistern. Das soll zunächst durch die Auswahl der Stücke passieren: Gesungen werden aktuelle Songs statt angestaubter Chorliteratur à la „Kein schöner Land“. Chorleiter Romes zufolge üben die Jugendlichen derzeit unter anderem den Benefiz-Pop-Klassiker „We Are The World“, während die jüngeren Sänger spielerisch mit „Wir sind Kinder einer Welt“ oder „The Lion Sleeps Tonight“ an das gemeinsame Singen herangeführt werden. Dabei ist Romes wichtig, dass viel Wert auf professionelle Betreuung und Stimmbildung gelegt wird. „Ich gehe bei den Treffen auch auf die jeweiligen Bedürfnisse ein.“ So mache er mit den Kindern zunächst einige Entspannungs- und Dehnübungen, damit sie nach der Schule den Kopf frei bekommen.

Derzeit machen in den zwei Chören jeweils 15 Sänger mit, geht es nach dem „Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang“ und dem Chorleiter können es gerne noch einmal so viele werden. Die Chorstunden, die im Ulmer Haus der Begegnung stattfinden, sind in der Anfangsphase offen, wer also Interesse hat, kann einfach vorbeikommen und hineinschnuppern. Der Kinderchor probt montags von 14 bis 15.30 Uhr, der Jugendchor mittwochs von 14 bis 16 Uhr.

In ein paar Monaten soll dann auch die Öffentlichkeit einen Eindruck von dem bekommen, was die Chöre gelernt haben – bei einem Konzert am 30. Januar 2016. Dieses steht unter dem Motto „Es lebe die Freiheit!“ – einer Devise, die laut Romes für Menschen aus allen Kulturen wichtig ist. Denn während die einen für ihre Freiheit flüchten müssten, hätten manche schon vergessen, was für ein hohes Gut sie ist. Ein Gefühl der Freiheit, sagt der Chorleiter, stelle sich aber auch beim gemeinsamen Singen ein. Genau darum gehe es bei den Chören.

 

Aus der Zeitschrift Kinder in der Stadt, August 2015

Chor für Kinder aus aller Welt

Musik als Heimat – von dieser Idee ausgehend, hat Markus Romes zum Beginn des neuen Schuljahres zwei neue Chöre gegründet: für Kinder (ab 3. Klasse) und für Jugendliche (ab 13 Jahren) aus aller Welt. „Es sollen wirklich alle kommen dürfen, die mitsingen wollen“, verspricht Romes, der sich in der Region mit diversen Grenzen überschreitenden und integrativen musikalischen Projekten einen Namen gemacht hat, ein halbes Dutzend Chöre leitet und an zehn bayerischen Schulen zeitgemäßes Liedgut vermittelt.

„Darüber hinaus, dass ich Musik liebe, ist das einfach ein Medium, über das Menschen kommunizieren können, bevor sie die Sprache lernen“, erklärt Romes sein Anliegen; „Rhythmus und Klänge sind übersprachlich; im musikalischen Rahmen funktioniert die interkulturelle Verständigung sehr gut.“ Das habe er in vielen seiner Projekte, angefangen von „Rock mich Amadeus“ 2006 und der Weltmusikrevue „Sounds of Love“ 2007 bis zum interreligiösen Begegnungskonzert „Abrahams Kinder“ in 2012 und 2013, immer wieder erlebt: Musiker aus verschiedenen Kulturvereinen haben da erstmals zusammengearbeitet – und sind darüberhinaus befreundet geblieben.“ Jedes dieser Projekte habe nachweislich bei den Teilnehmern Kräfte und Ideen geweckt, die seit dem vergangenen Jahr im „Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang“ aufgegriffen und weiterentwickelt werden.

Ähnlich starke Impulse werden, so hofft Romes, auch von den beiden neuen Internationalen Chören ausgehen. „Singen verbindet“ ist das Motto, mit dem er Kinder und Jugendliche in mehr als einem Dutzend verschiedenen Sprachen zu den Chören einlädt. Ermöglicht wurde diese Initiative durch die Stiftung Gänseblümchen, die den Chor für ein Jahr finanziert.

Im Prinzip, so Romes, geht es darum, mit Musik Heimat zu schaffen: „Egal, wo einer ist in der Welt: Wenn er sein Lied anstimmt, ist er ein Stück weit zu Hause. Wenn andere mitsingen, werden auch sie so zur Heimat.“

www.ulminterkulturell.de

www.gaensebluemchen-ulm.de

Der Internationale Kinderchor (ab 3. Klasse Grundschule) probt jeden Montag von 14 Uhr an im Haus der Begegnung, der Internationale Jugendchor (ab 13 Jahren) probt jeden Mittwoch von 14 Uhr an im Haus der Begegnung. Chorleiter Markus Romes ist unter der Telefonnummer 0171/7236231 zu erreichen.

Augsburger Zeitung vom 31. März 2014

 

Abrahams Kinder - Lieder als Brücken zwischen den Weltreligionen

Chor-Orchester-Projekt begeistert 600 Zuhörer

Insgesamt bevölkerten rund 150 Akteure die Bühne des Bürgerhauses. Das Bild zeigt den Chor aus Grundschülern.
Foto: Angela Häusler
 

Senden.

Wie gut kultureller Austausch durch Musik funktioniert, haben am Sonntagabend drei Chöre, Orchestermusiker, zwei Bands und ein jugendlicher Rezitator im Sendener Bürgerhaus bewiesen. Der Chor-Orchester-Abend „Abrahams Kinder“ vereinte nicht nur Grundschüler mit Profimusikern, sondern auch Sänger, Instrumentalisten und Werke aus dem christlichen, dem muslimischen und dem jüdischen Kulturkreis.

Mit dabei waren rund 150 Mitwirkende, die vor 600 begeisterten Zuhörern jiddische Lieder, John Rutters Requiem und Suren aus dem Koran erklingen ließen. Texte und Musik zu den Themen Ewigkeit und Liebe hatte der musikalische Leiter, Markus Romes, für diesen Abend ausgewählt. Begriffe, zu denen alle drei abrahamitischen Religionen mehr als genug Inspiration bieten, Worte und Klänge, die für alle Seiten dennoch mal vertraut, mal rätselhaft erschienen. So traf ein türkisches Lied auf Gesang aus dem Wilnaer Ghetto, ein Bibelpsalm auf Koranverse oder kindliche Gedanken auf einen Gospelsong, den das Publikum mitsang. Schüler sind Teilnehmer eines Projekts der Bildungsregion.

 

Musiker der Weltmusikband „Sirius“ und der Klezmerband „Friling“, der Chor Vocalica Pfuhl, die Meininger Kantorei, Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Ulm, Sängerin Jasmin Seclaoui, Rezitator Ali Mahmood und Kinderchöre aus der Grundschule Senden, der Weststadtschule Neu-Ulm und der Grundschule Vöhringen Süd musizierten gemeinsam. Die Schüler sind Teilnehmer eines Projekts der Bildungsregion Neu-Ulm unter dem Motto „Jedem Kind seine Stimme“. In dessen Rahmen haben sie ihre Lieder für das Konzert mit Markus Romes einstudiert – mit Erfolg.

Das Publikum belohnte die Akteure für dieses zweistündige Programm zwischen Freude, Melancholie, Erstaunen und Entdecken mit tosendem Applaus. (ahoi)

@home Augsburger Allgemeine.pdf
PDF-Dokument [993.6 KB]
Programm@home.pdf
PDF-Dokument [1.2 MB]
Programm Rock mich Amadeus.pdf
PDF-Dokument [442.6 KB]

Texte zur interkulturellen Heimatrevue, Abrahams Kinder, Jekiss (vom Journalisten des Landratsamts) , Presse und Rock mich Amadeus Klawikowski, Südwestpresse, NUZ

 

 

Rock mich Amadeus!

eine Besprechung von Wladislawa Kolossowa (19)

erschienen in der Südwestpresse Ulm und dem Kulturforum des "Team Ulm"/Online Magazin der Stadt Ulm


 

Eigentlich hat Mozart die Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag satt. Verständlich: Schließlich hat er das alles schon 250 mal gesehen. Meistens schaut er nur gelangweilt „von oben“ zu.
Heute stehen die Dinge aber anders. Das Geschehen auf der Bühne des Ulmer Theaters lässt ihn nicht kalt, denn da spielt eine Geburtstagsparty der anderen Art. Sein Urururururenkel Ferdinand schmeißt eine Kostümfete zu Ehren seines berühmten Vorfahrens. Die jungen Gäste schlüpfen in Rokokokostüme und erfinden Mozarts Werke und seine Epoche neu. So gründen Beethoven, Salieri und Haydn eine Band und rocken, gehüllt in Rüschen, Gold und Kniebundhosen die Bühne, zeigen, dass Mozart unsterblich ist!
Inzwischen beschließt der Meister, dass es höchste Zeit ist, ins Leben zu zurückzukehren. Wie kann so ein Partytier wie er im Jenseits verweilen, wenn unten die Fete des Jahrhunderts steigt? Außerdem ist er hin und weg von „Angela“, der Darstellerin seiner geliebten Frau „Konstanze“.
„Ach, ich fühls“, singt sie ergreifend die Arie der Pamina. Verzaubert von diesen Klängen tauscht das Geburtstagskind sofort die himmlische Einöde gegen die Bühne des Ulmer Theaters. Und er soll es nicht bereuen…
Keinesfalls bereuen, dass sie „Rock mich Amadeus“ besucht haben, werden auch die Zuschauer. Das Mozart-Cross-Over-Projekt vereint in sich alles, was Ulm an talentierten jungen Künstlern zu bieten hat. Vom Magier, der die Schauspieler Mozartkugeln würgen lässt, über exotische Bauchtänzerin und Salsa-Stars bis hin zu solchen großen Namen wie Ulmer Spatzen, Humboldt-Orchester, Frieder Morgenstern und Angela Braun - „Rock mich Amadeus“ schöpft alle Kapazitäten der begabten Jugendlichen aus und definiert Mozart neu. Der Meister selbst wird nicht auf den Glanz seines Genies reduziert, auch andere Seiten seines Charakters werden beleuchtet: die Vorliebe für Zoten, die Spielsucht und die Unfähigkeit sein Leben in den Griff zu kriegen. Das zügellose Genie wird dargestellt, wie er wirklich mal gewesen sein mag: als das liebenswürdige Kind, das nie erwachsen wird und immer lernbegierig bleibt. Genial dann das Ende, wenn Mozart sich vom E-Gitarristen der Rockband ein paar Griffe zeigen läßt, um mit allen Anwesenden endlich das "Lux Perpetua" seines Requiems vollenden zu können. So endet der Abend mit einer Feier von Tanz und Rock. Diese Geburtstagsfeier versprühte tatsächlich etwas vom ewigen Licht, das im Reqiuem besungen wird.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang e.V.